Geschichte

Das Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa

ist entstanden im Gefolge der russischen Oktoberrevolution 1918. Wegen der systematischen Verfolgung der orthodoxen Kirche Russlands in den Jahren danach sind zahllose Gläubige geflohen, die meisten von ihnen nach Mittel- und Westeuropa. Es waren diese Vertriebenen und Flüchtlinge, die zur Gründung unseres Erzbistums vor fast 100 Jahren geführt haben. Das Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa ist somit die älteste orthodoxe Diözese in diesem Teil unseres Kontinents, die von Anfang an Gemeinden in vielen europäischen Ländern umfasst hat. Seit 1931 untersteht es dem Ökumenischen Patriarchat. Lange Zeit war die „Pariser Jurisdiktion“, wie das Erzbistum wegen seines Bischofssitzes in der rue Daru in Paris auch genannt wird, neben dem Erzbistum von Thyatyra mit Sitz in London eine von zwei Diözesen des Ökumenischen Patriarchats in Westeuropa. Erst dreißig Jahre später begann Konstantinopel damit, in allen Ländern Westeuropas Metropolien zu gründen, und das in erster Linie für die griechischen Migranten, die damals in wachsender Zahl aus wirtschaftlichen Gründen ihre Heimat verließen und in den Ländern Westeuropas eine neue Heimat fanden. Parallel zu diesen „neuen“ Metropolien blieb das Erzbistum von Westeuropa mit seinen Gemeinden bis heute bestehen. Denn anders als diese hat es sich über Jahrzehnte hin in den Ländern, in denen es präsent ist, in missionarischer Weise auch an die nichtorthodoxen Christen gewandt und die Göttliche Liturgie für die westeuropäischen Sprachen geöffnet. So entstanden besonders in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg orthodoxe Gemeinden, in denen die Liturgie überwiegend oder ausschließlich in der Landessprache (französisch, englisch, niederländisch, deutsch, norwegisch) gefeiert wird. Es sind gerade diese Gemeinden, in denen das Bewusstsein dafür, die orthodoxe Kirche des Landes und nicht Diasporagemeinde einer ethnischen Minderheit zu sein, besonders ausgeprägt ist. Mehr als alle orthodoxen Diözesen versteht sich das Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa als Ortskirche und eben nicht als Außenposten der russischen Mutterkirche oder als Repräsentant russischer Sprache und Kultur. Gerade dazu verhilft ihm auch seine Zugehörigkeit zum Ökumenischen Patriarchat und die dadurch garantierte Unabhängigkeit von Moskau.

Das Attribut „russische Tradition“ bezieht sich nicht auf die nationale Zugehörigkeit der Gläubigen, sondern auf den Ursprung des Erzbistums aus der russischen Migration am Anfang des 20. Jahrhunderts und auf seine interne Struktur, die sehr konsequent den Beschlüssen des Konzils der russischen Kirche am Vorabend der russischen Revolution von 1917/18 folgt. Diese Beschlüsse räumen den Gläubigen und den Klerikern weitgehende Verantwortung und Mitspracherechte in pastoralen, sozialen und administrativen Belangen ein. Eine ausgeprägte Kultur des Austauschs und der geteilten Verantwortung zwischen den verantwortlichen Klerikern und den mitverantwortlichen Laien verleiht dem Erzbistum sein besonderes Profil. Die Gemeinderäte und der dem Erzbischof in Paris zugeordnete Diözesanrat sind von zentraler Bedeutung für sein Selbstverständnis und seine Identität.

Die Orthodoxe Parochie zu den heiligen Erzengeln in Düsseldorf

Die orthodoxe Gemeinde der heiligen Erzengel wurde gegründet von dem aus Hagenau im Elsaß stammenden Priester, dem späteren Erzpriester Sergius Heitz. Ostern 1958 feierte in der Jan-Wellem-Kapelle in Düsseldorf-Hamm den ersten Gottesdienst. Seit 1975 untersteht die Gemeinde dem Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa. 1992 bestellte Erzbischof Georg Wagner Priester Peter Sonntag zum neuen Pfarrer. Ende 2007 unterzeichnete die Gemeinde einen Mietvertrag mit dem Diakonischen Werk des Rheinlands und zog Anfang 2008 von der Jan-Wellem-Kapelle in die historische Kirche des hl. Nikolaus von Myra im Werstener Feld in Düsseldorf-Wersten. Seitdem ist die Jan-Wellem-Kapelle die Kirche der neu gegründeten georgischen Gemeinde des hl. Anthimos von Georgien.

Ende des letzten Jahres wurde der Orthodoxen Parochie zu den heiliegen Erzengeln der Mietvertrag gekündigt, und vor einem Monat wurde ihr die Kirche, das Zentrum und das Grundstück zum Kauf angeboten.

Die Orthodoxe Parochie zu den heiligen Erzengeln ist eine typische Gemeinde des Erzbistums der Orthodoxen Gemeinden von Westeuropa. Mit ca. hundert eingetragenen Mitgliedern ist sie eine kleine Gemeinde. Ihre Gläubigen gehören unterschiedlichen Nationalitäten an. Deutsch ist die Liturgiesprache. Die Gemeinde folgt dem Neuen Kalender (für die unbeweglichen Feste). Der Gemeinderat wird im Zweijahresrhythmus von der zweimal jährlich tagenden Gemeindeversammlung gewählt. Da sie nur einen Priester und keinen Diakon hat, entsendet sie zwei Delegierte in die Generalversammlung des Erzbistums: den Pfarrer und einen Laiendelegierten.

Sie ist Teil der orthodoxen Pfarrkonferenz Düsseldorf und dadurch auch der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Düsseldorf.

Die Gemeinde führt eine wöchentliche Erwachsenenkatechese durch. Einmal monatlich findet unter dem Titel „Dialog“ ein Gespräch über aktuelle kirchliche, theologische oder biblische Themen statt.

Sie unterhält eine Website (www.orthodoxdus.de) und eine Facebookseite (Freunde der Orthodoxen Parochie).